Deutsche kulinarische Genusswelt
Herzlich willkommen zu einer Zeitreise durch die deutsche Welt des historischen Genusses!
Im Januar des Jahres 1355 vererbte ein bedeutender Mann seinen Erben ein Hausbuch mit der Maßgabe, es solle immer im Besitz seiner Familie bleiben. Dieser Mann nannte sich Michael de Leone. Michael war ein Sammler. Er wollte für seine Nachfahren, und die Nachwelt, Zeitgeschichte bewahren. In diesem Zusammenhang sammelte er auch einige Kochanweisungen, die er als »Buch von guter Speise« in seinem Hausbuch anlegte.
Michael war Magister beider Rechte, des Kirchenrechts und des weltlichen Rechts. Von seinen Vorfahren hatte er ein beträchtliches Vermögen in Geld und Gut geerbt. Man kann getrost sagen: Magister Michael gehörte zum gehobenen Bürgertum, dem Patriziat der Stadt Würzburg.
An dieser Stelle beginnt unsere eigentliche Geschichte: Die Geschichte von der historischen deutschen Genusswelt, der culinary history. Vielleicht ist Ihnen der Begriff Gastrosophie geläufiger. Dabei steht die kulturwissenschaftliche Erforschung von Ernährung und Gesellschaft im Vordergrund bis hin zum Konsum. Ursprünge der Gastrosophie im heutigen Sinne lassen sich schon bei den alten Ägyptern aufzeigen. In philosophischer Hinsicht sind die griechischen Schriften zur Dietetik wegweisend, insbesondere bei Epikur, der den Bauch zur Wurzel des Guten erklärt. Der moderne Begriff Gastrosophie erscheint 1824 bei William Maginn, ganz im Sinne der „Gastronomie transcendante“, die Jean Anthèlme Brillat-Savarin als Teil einer Physiologie des Geschmacks vorstellt.
Ernährung und Genuss im Spätmittelalter
Wir befinden uns noch im Spätmittelalter, der angeblich dunkelsten Zeit der Geschichte. Doch alles hat zwei Seiten – auch diese Art der Dunkelheit. Unsere Website beschäftigt sich mit der Ernährung und dem Genuss dieser Epoche. Das alles umspannende Ziel dieser Seite ist es, dem geschätzten Leser die Entwicklung der deutschen Küche näherzubringen.
Im 14. Jahrhundert wurde das gehobene Bürgertum maßgeblich von den Patriziern und dem Klerus gestellt – eine kleine, wenn auch finanziell bedeutsame Oberschicht. Diese Oberschicht war in der Lage, hochwertige Lebensmittel und kostbare Importgewürze zu verbrauchen. Sie war gleichzeitig aber auch verpflichtet, ihr Vermögen in die gesellschaftliche Entwicklung zu investieren.
Galenos und die Ernährungslehre
Wie auch heute gab es im Mittelalter eine fundierte Ernährungslehre. Die Regeln, wie zu essen war, gingen auf Hippokrates, Galenos und andere bedeutende arabische Ärzte wie u. a. Avicenna zurück. Diese Ärzte erklärten das diätetische System so, dass alle vier Säfte im Körper im Gleichgewicht sein müssen – nur so bleibt der Mensch gesund. Diese Ernährungslehre ist der Ausgangspunkt für die Kost der Oberschicht des Mittelalters.
Essen im Mittelalter war jedoch nicht gleich Essen. Die Kost der verschiedenen Stände war stark vom sozialen Umfeld geprägt. Die erhalten gebliebenen Handschriften, die neben Kochanweisungen fast immer auch medizinische Bücher und Gesundheitsrezepte enthielten, zeichnen uns ein interessantes Bild der Kulinaria.
Das »Buch von guter Speise« ist, wenn man es so sagen will, der Schlüssel in diese Zeitepoche. Es besitzt die gleiche kulturwissenschaftliche Bedeutung wie die späteren Werke von:
Es sind Bücher, die man bis zum bitteren Ende plagiierte. In der Datenbank von CoReMa Graz kann man sich diese historischen Handschriften heute im Original anschauen.
Die Rätsel der alten Quellen
Was bringen uns diese schwer lesbaren Handschriften? Schwer lesbar sind sie vor allem deshalb, weil sie zwar transkribiert, aber meist nicht in unsere Alltagssprache übersetzt wurden. Zudem fehlen Glossare, die uns das Lesen erleichtern könnten.
Gehen Sie mit uns auf Spurensuche und lüften Sie die Geheimnisse der alten Küche:
- Wüssten Sie auf Anhieb, was ein Rekoltervogel, Bubenpfulwen oder Fürhess ist?
- Was ist der feine Unterschied zwischen Pfeffer und Pfeffer?
- Und was war überhaupt das Besondere an der Mittelalterküche und der galenischen Ernährungslehre?
Finden Sie es heraus – in der Deutschen historischen Genusswelt!
Genussportale
14. Jhdt.
Hochmittelalter
Wenn es auch um die deutsche Genusswelt geht, so gehören das Buch »Forme of cury« und der Taillevent unbedingt dazu, denn die Kochanweisungen wurden von deutschen Büchermachern abgeschrieben (plagiiert).
- Buch Forme of cury
- Buch Le viandier de Taillevent
15. Jhdt.
Aus dem 15. Jahrhundert existiert ein relativ großer Bestand, der von der Uni Graz transkribiert wurde. Die Transkripte sind der erste Schritt zur Bewahrung des kulinarischen Erbes. Im 2. Schritt müssen alle Kochanweisungen in einer alltagstauglichen Schrift übersetzt werden, wer sollte sonst damit etwas anfangen können? Im 3. Schritt müssen alle Kochanweisungen rezeptiert werden. Hierzu gibt es zwei Wege: der Weg der historischen Rezeptreproduktion und der Weg, die Kochanweisungen in die Gegenwart zu holen. Da alle Kochanweisungen des Mittelalters mit der Humoralpathologie verbunden sind, muss die ebenfalls eingefügt werden.
Das Transkript ist die Reinschrift der Handschrift, nicht mehr. Über den Inhalt der Kochanweisungen, ihre Sprache und die Bedeutung für den Koch, sagt es nichts aus. Die Schwierigkeiten bei diesem historischen Schriftgut ist die Übertragung in das heutige Verständnis. Und genau darin sehen wir unsere Aufgabe. Da die meisten Handschriften das Buch von guter Speise als Grundlage verwendeten, kann man einen großen Teil der Kochanweisungen vernachlässigen. Hierin liegt die Begründung dafür, warum nur ein Teil der Kochanweisungen übertragen wurde.
- Buch aus dem Kloster Mondsee | Eine fast 1:1 Kopie des BvgS
- Buch aus dem Dorotheenkloster Wien | Ebenfalls eine Kopie des BvgS und anderer
- Solothurner Kochbuch
- Küchenmeisterei | Aus dem Buch haben alle plagiiert
- Kochnotizen der Deutschordensritter| Große Ähnlichkeit mit dem BvgS
16.Jhdt.
In der frühen Neuzeit wurden die Handschriften weniger, die „guten“ Bücher wurden gedruckt. Hier ist eine kleine Auswahl der Bücher die für unsere kulinarische Forschung interessant sind. Sie sind deshalb interessant, weil sie einige Mythen stürzen. Nicht Anna Wecker war die Pionierin im Kochbuchbereich sondern die Welserfrauen. Anna Wecker schrieb ein Gesundheitsbuch, dass im Bereich Kochanleitungen für Gesunde sehr ausgesucht ist. Des Weiteren schrieben die Welserfrauen, wozu auch die Mutter von Philippine Welser gehörte, lebensecht. Sie plagiierten nicht, sie machten selber.
Anna Wecker war eine sehr geschätzte Arztgattin, gehörte der Colmarer Oberschicht an, dem gehobenem Bürgertum. Ihre Kochanweisungen waren Plagiate aller bis dahin auf dem Markt befindlichen Kochbücher. Alles ein wenig umgemodelt, mit Humoralpathologie durchtränkt und teuren Gewürzen veredelt.
- Sabina Welser
- Philippine Welser
- Balthasar Staindl
- Marxen Rumpolt
- Anna Wecker
17.Jhdt.
frühe Neuzeit
- Maria Sophia Schelhammer
Der goldene Göffel
Was dem Italiener sein Silberlöffel, ist dem Deutschen sein Goldgöffel. Dieses Portal ist das Kompendium der historischen deutschen Genusswelt.
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