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Portal:Der goldene Göffel
Das Kompendium der deutschen Küche
Während die Italiener sprichwörtlich mit dem Silberlöffel im Mund geboren werden, stöbern wir in Deutschland im „goldenen Göffel“. Ein Göffel ist ein historisches Esswerkzeug aus einem Guss – eine Kombination aus Gabel und Löffel. Unter diesem Namen versteht sich dieses Wiki als Kompendium der historischen Küche, mit einem klaren Fokus auf der Küchenpraxis ab dem Mittelalter.
Kritik am modernen Geschichtsbild
Im Internet ist das Thema der historischen Küche heute stark von Kommerz und effekthascherischer Unterhaltung geprägt. Das dort verbreitete Halbwissen droht, unsere kulinarische Historie zu demontieren: Für die Einschaltquote werden historische Mythen verbreitet oder authentische Gerichte verzerrt dargestellt. Dadurch entstehen in den Köpfen der Menschen Bilder, die von der historischen Realität weit entfernt sind.
Die Evolution der „deutschen Küche“
Fakt ist: Eine isolierte, rein „deutsche Küche“ gibt es historisch gesehen nicht. Sie ist vielmehr ein Sammelsurium aus Speisen und Einflüssen quer durch die Welt. Kulinarik wurde in der Geschichte oft genutzt, um ein nationales Gemeinschaftsgefühl zu erschaffen – eine dezidiert nationale Küche entstand hierzulande erst mit der Gründung des Kaiserreichs. Heute lässt sich beobachten, dass die jüngere Generation die traditionelle heimische Küche oft als verstaubt wahrnimmt. Gleichzeitig werden einfache Gerichte aus aller Welt, die historisch oft als „Arme-Leute-Essen“ entstanden, als moderne Spitzenküche gefeiert. Durch den Verzicht auf handwerkliche Grundlagen, Geschmack und Nährwert droht das Wissen um die eigenen kulinarischen Traditionen verloren zu gehen. Eine Erneuerung unserer Esskultur ist notwendig – und sie beginnt mit dem Bewusstsein für die Kulinarik.
Kulinarische Denkmalpflege
Dieses Wiki schwimmt bewusst gegen den Strom und betreibt eine Art kulinarische Denkmalpflege. Wenn dieser Trend der Zerstörung der traditionellen Küche in deutschen Landen anhält, weiß in wenigen Jahrzehnten kaum noch jemand, wie man traditionell kocht oder woraus unsere Küche eigentlich bestand. Schon heute reisen Menschen nach Paris, um die französische Küche zu genießen – dabei ist die historische Küche der Deutschen tief von diesen europäischen Einflüssen geprägt.
Rehabilitation der mittelalterlichen Küche
Entgegen dem populären Medienbild, das die Küche des Mittelalters als barbarisch, eintönig oder von Hungersnöten geprägt darstellt, war die damalige Ernährungskultur – basierend auf der Humoralpathologie (Säftelehre) – oft eine medizinisch durchdachte Meisterleistung. Die heutige Betrachtung zieht oft tausend Jahre Menschheitsgeschichte zu Unrecht durch den Dreck. Die Arroganz der Gegenwart darf die Errungenschaften der Vergangenheit nicht vernichten.
Kategorie Meisterköche
Es sind uns Kochkünstler seit der Antike überliefert. Der angeblich größte oder bedeutendste Epikureer soll Apicius gewesen sein, der Mann, der sich angeblich aus Angst zu verhungern selbst getötet hat. Die Welt ist voll von Mythen und übler Nachrede. Marcus Gavius Apicius war weder Koch, noch lebte er über den Wolken. Er gehörte zur römischen Oberschicht und war Senator. Mehr zum Leben des Marcus Gavius Apicius finden Sie hier.
Rezeptkasten Mittelalter
Die Kochkunst der Oberschicht des Mittelalters war eine Meisterleistung im Bereich der Dietetik. Die Humoralpathologie bestimmte die Kochkunst. Wenn auch viele Gerichte simpel oder gar ungenießbar erscheinen, man muss die Welt dahinter verstehen. Kein Essen im Mittelalter war fad und ungewürzt. Man würzte beherzt und mit vollen Händen. Doch warum würzte man so stark? Was war der Sinn dahinter? Wer die Mittelalterküche versteht, kann sie auch kochen und mit Appetit genießen. Niemand im Mittelalter würzte, um verdorbene Lebensmittel zu übertünchen. Das ist eher eine Manier der Moderne. Im Mittelalter stand darauf die Todesstrafe.
