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New Kochbuch Anna Wecker 1598


Im Jahr 1598 erschien ein neues Buch im Nürnberger Raum. Sein Titel: Ein köstlich New Kochbuch, der Autor war eine Frau. Zu diesem Zeitpunkt war die Frau, die als Autorin angegeben wurde, bereits seit 2 Jahren tot. In diesem Buch ging es um Kost für Gesunde und Kranke. Das Buch war nicht für das kleine und mittelere Bürgertum, sondern für die reiche Oberschicht. Anna Wecker war kein Heimchen am Herd , sondern eine sehr vermögende Patrizierin aus dem Basler Zunft-, Medizin-, Kleriker- und Universitätsmillieu. Sie war, wie ihr Mann Hans Wecker, ein geachtetes Mitglied seines Kompilationsnetzwerkes.

Anna Wecker war auch nicht die unterdrückte Ehefrau des großen Colmarer Stadtphysicus Hans Wecker, sie war seine geistige Partnerin. In einem Brief an einen Freund schrieb Wecker, dass er völlig aus dem Ruder sei, Anna ist krank, er weiß nicht was er tun soll. Für die Zeit der Renaissance eine bedeutende Anerkennung für die Stellung der Frau. Wecker schätzte sie sehr für ihr Bildungsniveau. Sie verstand und beherrschte Sprachen u.a. Latein, man konnte sich mit ihr über medizinische Belange austauschen und sie führte seinen Briefwechsel. Heute würde man sagen, sie war mit ihrem Mann auf Augenhöhe.

Was zeichnete aber ihr Buch aus, wenn Anna Wecker so eine hochgebildete Frau war? Ein Kochbuch, wie sie titelte. Oder war es nur ihr Name der auf dem Cover stand, und es wurde von Catharina Taurellus für ihren Mann zusammen geschrieben? Es gibt Forscher die denken das und ich kann dem nicht wirklich widersprechen. Anna Wecker hatte das Buch nicht im Schubfach. Sie starb als kranke Frau und konnte das Buch, wenn es denn ihre Absicht war, nicht selber zu Ende bringen. Catharina Taurellus, immer schwanger, musste sich sicher die Zeit nehmen für diese Aufgabe.

Liest man das Buch in einem Stück fällt auf, dass es nicht aus einem Guss ist. Ich erkenne im Text mindestens 3 Dialekte bzw. Sprachklänge. Das 1. Buch hat eine andere Ausdrucksform als das 2. oder 3. Buch. Am Anfang des Buches klingen die Anweisungen locker, leicht, gut verständlich. Die späteren Texte sind sehr dialektlastig. Einige Abschnitte sind kurz und knapp, andere wiederum sehr textlastig. Ich denke, die leichten Texte sind von Anna selber geschrieben, die schwerer verständlichen von ihrer Tochter. Anna war schreiben gewohnt.

In der Widmung des Buches für die geschätzten Frauen betont der Schreiber, alle Rezepte seien von ihr (Anna) selber. Das stimmt generell einmal nicht, denn Anna stand 1598 am Ende der kulinarischen Nahrungskette. Davor gab es Staindl, Rumpolt, Welser. Viele Kochanweisungen aus dem Buch der Anna Wecker sind kompiliert. Nicht nur abgeschrieben, gewissenhaft kompiliert.

new_kochbuch.txt · Zuletzt geändert: von foodsnob@web.de