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Anna Wecker eine Renaissancefrau
Die Renaissance, als Zeitepoche, folgte dem Mittelalter. Man bezeichnet sie auch als „Wiedergeburt“. In der Kulturhistorie bezeichnet man das 16. Jahrhundert als Frühe Neuzeit. Das 16. Jahrhundert schätzte kluge Frauen die sich einbrachten. Die Hausfrau galt durchaus als ehrenvolle Partnerin an der Seite des Mannes. Je nach Bildungsniveau des Mannes war sie ihm dennoch mehr oder weniger untertan.
Es gibt keine Nachweise darüber, welchen Bildungsweg Anna Wecker (geb.Keller) genommen hat, man kann sich aber anhand der Familiengeschichte den Weg denken. Der Vater starb 1536, der Stiefvater um 1542. Nicht nur die Kellerschen Vorfahren waren reiche Patrizier, auch die Mutter kam aus finanziell sicheren Verhältnissen. Alle Brüder Annas, auch die aus den Vorehen des Vaters, waren reiche Zunftmeister u.ä. Die väterlichen Vorfahren, seine Eltern und Großeltern, waren in Deutschland gebürtig, Freiburg im Breisgau sowie Ulm und Konstanz. Die Großmutter Barbara Ehinger gehörte zum Konstanzer Patriziat, dass wirtschaftlich eng mit den Fugger und Welser vernetzt war.
Am 7. März 1498 verlieh König Maximilian I. Ludwig Keller (Klemblin), Annas Großvater, einen offiziellen Wappenbrief. 1498 zog die Familie nach Basel um und erwarb das dortige Bürgerrecht. Durch den kaiserlichen Wappenbrief von 1498 ist das Wappen von Ludwig Keller exakt beschrieben:
Schild: In Gold ein schwarzer Pfahl, belegt mit einem silbernen Schlüssel.
Helm: Ein bürgerlicher Stechelhelm, aus dem zwei offene schwarze Flügel wachsen, die ebenfalls jeweils mit einem silbernen Schlüssel belegt sind.
Der Vater Clemens Keller wurde u.a. Seckelmeister (Finanzverwalter) der Stadt Basel.
Annas Weg
An Annas Frühstückstisch saßen in ihrer Kindheit ihre 3 Brüder. Ihr Bruder Isaak, er wurde Mediziner und Rektor der Universität Basel. Hans Jakob und Josef Grynäus. Wohl nicht in der Familie der Catharina Lombard lebten die Kinder des Ambrosius Keller, dem Onkel Annas, der mit nach Basel umgezogen war. Anna ist in einem kirchennahen Akademikerhaushalt aufgewachsen.
Es gibt einige Artikel im Web, die Anna als Pionierin der Emanzipationsbewegung ihrer Zeit bezeichnen, sie feiern, weil sie die erste Kochbuchautorin war, mehr noch: Ihr Werk «Ein Köstlich new Kochbuch» überhaupt das erste Kochbuch in deutscher Sprache gewesen sei, das von einer Frau verfasst wurde. Eine echte Pionierleistung soll das gewesen sein und die Weckerin eine echte Pionierin!. Es gibt Historiker, die ihr Kochbuch als bürgerlich bejubeln. Was soll denn dieses Mainstreamgeschwafel? Erst einmal war Anna Weckers Gesundheitsbuch nicht das erste Buch, das von einer Frau in deutscher Sprache verfasst wurde. Vor Anna Wecker gab es noch die Welser Cousinen. Die Kochanweisungen der Damen wurden zwar nicht gedruckt, doch sie waren bekannt und nicht Bestandteil einer Sammelhandschrift.
Wenn man darauf besteht, Anna Wecker sei eine Pionierin gewesen, dann muss man auch erklären auf welchem Gebiet. Das einzige was für mich plausibel wäre: Anna Wecker hat ein Dieteticon geschrieben, was für eine Frau durchaus ungewöhnlich gewesen ist. Ganz stimmt das aber nicht, denn auch Phillipine Welser (bzw. ihre Mutter Anna Adler) hatten derlei Rezepturen gesammelt. Ob Anna Wecker wirklich die erste Frau war, deren Name als Autor auf einem Cover stand, wissen wir nicht. Für die Schweiz mag das zutreffend sein.
Ob das Buch nur von Anna Wecker zusammengestellt wurde, ist nicht bewiesen. Ihre Tochter war auf jeden Fall Co-Autor. In ihrem Vorwort zum Buch ist zu lesen:
So habe ich doch letztlich durch … inständiges Bitten vieler guter Freunde (welche der Meinung gewesen, es würde solches gemeinem Nutzen und sonderlich den armen Kranken sehr dienlich sein) mich überreden lassen.Ich habe deswegen diese meine Aufzeichnungen, so ich in langwieriger Übung zusammengebracht, in eine ordentliche Form verfasst und in den Druck gegeben. Nicht aus Ruhmsucht oder Hochmut, sondern allein Gott zu Ehren und dem nächsten Menschen, sonderlich den dürftigen Kranken, zu Trost, Nutz und Dienst.
Dieser Marketingtext ist der Beginn einer langen Litanei, indem Anna Wecker frei gesprochen werden soll von der Kurpfuscherei und Hexerei. Frauen mit fundiertem medizinischen Wissen waren undenkbar. Mit den Ausführungen in dieser Widmung holt der Schreiber die Kurfürstin immer wieder ins Boot. Erinnert sie an die Vergangenheit, bekräftigt, dass Anna Wecker eine gottesfrürchtige Frau ist. Es werden „Zeugen der Rechtschaffenheit“ aufgerufen und nachgewiesen. Immer wieder wird betont, Anna Wecker sei von engen Freunden gebeten worden dies Buch zu schreiben und sie hat sich geopfert, insbesondere, wo doch nun ihr seliger Mann verstorben sei.
Für den Erhalt der Druckgenehmigung waren diese Worte wichtig. Das der Inhalt dieser Widmung so wenig wahr war wie die Tatsache, dass es im Sommer schneit, war Kalkül. Mit dem Versprechen, alle Rezepte seien von ihr selber, umging sie rechtliche Konsequenzen.
Dem aufmerksamen Leser, der diese Widmung liest, wird auffallen, dass Anna nicht davon spricht, dass die verwandte Medizin für arme Leute und das einfache Bürgertum ist. Anna Wecker, die Familien Keller und Wecker, gehörten zum gehobenem Bürgertum. Das waren die Patrizier, der Geldadel, betuchte Handwerker. Die Weckers waren u.a. in der Zunft der Weinhändler organisiert wie die Kellers in der Safranzunft. Beides die wichtigsten Männerzünfte des gehobenen Bürgertums. Hier saß das Geld und der Adel. Anna verweist zurecht darauf, dass die von ihr verwendete Medizin nur für gutsituierte Kranke ist, die sich das auch leisten können. Sie bittet die ehrwürdige Kurfürstin, die Armen, die sich die Medizin nicht leisten können, finanziell zu unterstützen. Ein geschickter Schachzug, denn die Kurfürstin von der Pfalz war in dieser Hinsicht sehr sozial.
